the girl who knew too much

sie lief. ungewollt und plötzlich hatten ihre beine die kontrolle des kopfes verweigert. weiter und weiter. on and on. [bedrängnis, fremde, angst.] // sie sprang.  freier fall. kaltes klares wasser. 

[bedrängnis, fremde, angst]
das furchtlose mädchen hatte nie begriffen, wie viel angst sie hatte. hauptsächlich war es angst vor dem scheitern. eine omnipräsente angst, die erst sichtbar wurde, wenn es überlief, wenn das zuviel sich in salzwasser und verschmierter mascara äußerte. weil sie gedanken und handlungen so lange analysiert und gedreht hatte bis die möglichkeit des scheiterns die klarheit verdrängte, die zuversicht, die stärke. die selbstbeherrschung. 


we never knew. es gibt die phasen, in denen scheitern die größte gefahr ist. vor denen wir weglaufen, menschen, denen wir den rücken kehren, weil sie zuviel macht bekommen haben, situationen, die verändern könnten, die angst davor plötzlich unbedeutend zu sein, gezwungen sich zu hinterfragen. stehen bleiben ist verlockend, weglaufen ohne weiterzugehen. das weiter, das unbekannte bedeutet zunächst primär den verlust. den verlust von kontrolle, von menschen, von geborgenheit, von sicherheit.die möglichkeit, zu scheitern.

das furchtlose mädchen hatte vergessen, dass die statik die größte gefahr war. das leben scheitern heißen muss, weil menschlichkeit die möglichkeit des scheiterns beinhaltet. als sich etwas veränderte erschrak das furchtlose mädchen. dann sprang es, bevor es hinabstürzen/hinuntergeworfen werden konnte. keine flucht, nur mut, eine leichte zuversichtliche naivität, neugierde und kampfeslust.

letztendlich ist es der sprung ins kalte wasser, der uns fühlen lässt. der kurze moment in dem unser herz droht auszusezten erinnert manchmal einzig daran, dass man lebt. der aufprall kann wehtun, vielleicht.wohin auch immer. vielleicht ist es schwer oder unmöglich wieder an den anfangspunkt zurückzukommen, wenn wir einmal gesprungen sind. andererseits liegt im sprung das potential das sich alles wendet.

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picure by ibai acevedo

from a to b and back again


A. : I like your appartment.
B. : It's nice but it's only big enough for one person- or two persons who are very close.
A. : You know to people who are really close? 
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text: "the philosophy of andy warhol - from a to b and back again", andy warhol; picture via ,by kyle scully

contemporary thoughts #1 // plagiat, design, innovation und t.

contemporary thoughts: ein neues label einerseits um teilweise/partially vor der ewigen subjektiven einöde zu retten, andererseits um eine innovative perspektive einzunehmen.
 
ladies and gentlemen, ich, du und sie, wir  kennen streetstyle blogs. wir lieben es die äußerlichen facetten anderer zu betrachten, sie zu bewerten, unseren stil in wildfremden neu zu entdecken, den stil einer stadt, einer neuen internationalen szene zu definieren.was wir dabei von einer stadt/ einem menschen wahrnehmen ist nur die momentaufnahme eines stils, niemals das ganze, nur den abgebildeten bruchteil. und wir kennen blogs wie diesen, blogs wie teilweise oder die geliebte selbstdarstellungssucht, die subjektives auf und ab porträtieren. die eine einzelne perspektive, ehrlich und verzerrt, künstlich, authentisch und als spiegelfläche für den betrachter.

contemporary thoughts ist die schnittmenge dieser ideen. der flüchtige blick fällt nicht auf das erscheinungsbild, sondern auf die gedanken eines menschen. nur auf bruchstücke, wenige sätze, nie auf das ganze.auch diese menschen sind menschen, die uns auf der straße begegnen, die uns faszinieren, die einen impuls für uns setzen, über etwas nachzudenken. menschen, die einem in clubs, in cafes, im eigenen leben begegnen. contemporary thoughts. 

# eins

ich treffe t. in einem club. closing weekend. als er neben mich setzt beurteile ich ihn flüchtig, wie wir es alle tun. er sieht nicht außergewöhnlich aus. nicht außergewöhnlich gut. nicht außergewöhnlich schlecht. nur nicht durchschnittlich. seine haare haben eine kleine, vielleicht unabsichtliche tolle, seine augen sind anziehend.  nur an ihre farbe erinnere ich micht nicht. auf seinen armen sind in verschiedenen abständen ringe gemalt. die fibonacci folge. ich hatte mir eine kurze atempause von den bässen genommen. draußen ist die luft klarer, es ist kühl. ich atme aus. t. sieht mich an und wir beginnen zu reden.

t. ist designer. und als ich ihm namen entgegenwerfe nickt er. maison martin margiela. hm. yohji yamamoto. hm. alexander mc queen. patrick mohr. julia and ben. er unterbricht mich, er finde einige designer gut, aber das sei relativ. t. sieht sich alles an: kollektion für kollektion, stunden um stunden. und das sei dumm, seine größte schwäche.

ich sehe ihn an. und t. erklärt. t.s skizzen entstehen in der isolation. willkürlich, in s-bahnen, im wald, dazwischen. t. behält alle skizzen, die entwürfe, die unbrauchbaren, er dokumentiert die entstehung einer idee. in seiner mappe, erklärt er fänden sich auch stofffetzen, bilder von inspiration und menschen. innovatives design, sagt t., muss aus der isoliertheit entstehen, plötzlich im kopf sein, pur auf eine art und weise. weg vom ewigen form follows function. t. erzählt mir, wie er ein jacket skizzierte, nachdem er die kollektionen angesehen hatte. "aber es war fremd, hatte hier etwas von raf simons, und war andererseits margiela. ein plagiat," sagt t., "aber andere würden sagen es ist "inspiriert". ich fand es furchtbar, schämte mich." t. hält sich der mode fern, um mode zu machen.

ich denke unwillkürlich an ein zitat paul gauguins, dass auf einer postkarte gedruckt seit jahren unscheinbar an meiner pinnwand hängt.  

"art is either plagiatism or revolution". eine radikale sicht. 

andererseits sehen wir in der mode seit geraumer zeit zunehmend die gelangweilte reproduktion, die inspiration durch das vergangene, die 60er, die 80er, die 20er. seit der invasion der modeblogs sehen immer mehr mädchen aus wie negative von les mads. das unverkennbare, der wirklich innovative stil ist selten geworden. und erreicht er erst die streetstyle blogs findet er sich schnell wieder- an anderen körpern, auf den laufstegen. ist inspiration das neue plagiat? ist uns die fähigkeit zur authentischen selbstdarstellung zwischen den darstellungen anderer verlorengegangen? wie frei, wie isoliert müssen wir sein, um wirklich neues schaffen zu können?
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