poetische gewalt
wenn gewalt ausbricht kann sie zwei formen annehmen.
bei einer fühlen wir den schmerz direkt,
spüren unsere grenzen,
es bleibt nur der schmerz.
direkt. unvermittelt. faszination vielleicht.
entladung und aggression.
two. auch hier schläge, unkoordiniert,
das ausmaß der verletzung ist kaum
zu sehen. nur einseitig zu spüren. kaum berechenbar.
schmerz, aber nicht zuordnungsbar.
der schlagabtausch endet erst, wenn wir vor worten fliehen.
until we felt red. reue vielleicht.
wir bleiben allein. erschöpft. enttäuscht. leer.
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" until we felt red" is the title of a kaki king song and her album;
picure: christopher little via
portionierte romantik
globalisierung bedeutet flüchtigkeit. alles ist relativ und nichts ist sicher.
die einzige sicherheit ist die gegenwart, der moment.
x und y leben für den moment, weil es keine andere möglichkeit gibt zu lieben.
weil morgen immer unsicher ist. der hauch der ewigkeit macht angst, denn
sie haben gelernt, das sie nicht funktionieren kann, weil nichts statisch ist.
warum als sollte sie für sie funktionieren?
picure by puppental
die ewigkeit und die bindung machen angst, weil sie scheitern bedeuten.
weil sie es müssen, weil der gegenbeweis nie gesehen worden ist.
und empirismus ist die einzige option die wahrheit der gegenwart zu finden.
wenn alle sicherheiten zerfallen, beginnt man zu tanzen.
sich zu drehen bis der schwindel die realitäten schafft.
gelegentlich lassen x und y die ewigkeit zu. aber nur die momentane.
den willen sich für diesen einen moment zu binden.
aber momente sind nicht ewig.
es ist portionierte romantik, die die augen verbindet,
und die möglichkeit des scheiterns für die sekunde ausblendet.
leichtigkeit. flüchtig, kurz einnehmend.
picture by spiegeleule
es ist nicht der kitsch, der gefährlich ist. es ist der unehrliche kitsch,
die manipulierende rosarote romantik,
die uns blendet, das schwindelgefühl zur übelkeit macht,
und uns zum fallen bringt.
x und y haben die große romantik geopfert, um frei sein zu können.
um in den zwischenräumen der flüchtigkeit fühlen zu können.
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pictures: (1) via and by puppental, (2) via and by spiegeleule
marzahn
picture: nadine andrey
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berlin marzahn. bilder im kopf, die in der realität nie bestätigt wurden. plattenbauten, jogginghose, elend. als ich aus der s-bahn aussteige gehe ich über eine metallbrücke.wie eine aussichtsplattform, wäre ich nicht hier, denke ich, würde ich sie aussichtsplattform nennen. aber wieso eigentlich nicht. ein meer aus beton, grau aber auch bäume, grün. grau = trist. eigentlich nicht so grau wie ich dachte. die sonne scheint. der blick kann einem riesigen einkaufzentrum nicht ausweichen. architektur, liebevoll und unnötig bezeichnet mein definitionstrieb sie als retro. niemand scheint einkaufen zu wollen. ein riesiges plakat bedeckt das gebäude gegenüber. gratis kino, geschenkgutscheine, til schweiger. betonwüste. der erste mensch der mir entgegenkommt, trägt jogginghose. blonde haare, ungepflegt, dick. ich nicke innerlich und schäme mich sekundenbruchteile später dafür. ich öffne die augen und höre auf nur das zu sehen, was ich erwarte zu sehen. zwei männer laufen neben einem kleinen mädchen entlang. das wesen in dem rosa kleidchen redet ununterbrochen. ein kleines glückliches mitteilungsbedürfnis. vielleicht ist der vater überfordert. vielleicht bin nur ich es. die beiden männer und das rosa kleidchen verschwinden richtung s-bahnhof. wieder wüste und leere. seitlich eine kneipe, noch ist niemand da. "die biertulpe". eine straße weiter rahmen bäume am wegrand die plattenbauten ein. blüten hängen in meinem blickfeld, ein gelbgrünes schild verkündet die nächste bushaltestelle. neben der bushaltestelle stehen zwei ältere frauen. sie sehen liebenswert aus, wie zwei großmütter unterwegs zu ihren enkelkindern. vielleicht tragen die kleine rosafarbene kleidchen. von der anderen straßenseite kann ich sie nicht hören. neben der bushaltestelle steht zwischen zwei bäumen ein pavillion. am fenster wirbt man in roter schrift für pommes frittes, döner, currywurst. "hilfspaket für griechenland." verwunderung, dann der slogan "das kann sich sogar ein grieche leisten." neugierig sehe ich in den pavillion und wende mich mit dem schamhaften gefühl in das wohnzimmer anderer leute zu sehen ab. kurz war es wieder da, das gefühl das kleine kind im zoo zu sein. beherrschung, scham. das hier ist kein zoo.
an der haltestelle der straßenbahn begegne ich ein letztes mal dem klischee, bevor es mich engültig verlässt. eine abgemagerte frau in trainingsjacke, schönheit ohne glanz, schmiegt sich an einen mann, glatze, schwarze trainingsjacke, finster, aber nicht verbittert, vielleicht nur selbstschutz. an ihre beine schmiegt sich ein schäferhund. 10 minuten später stehe ich am s-bahnhof und steige in den zug richtung potsdam hbf. knapp 45 minuten berlin marzahn. zum ersten mal habe ich mich als tourist gefühlt, als jemand, der nur zu besuch ist, der gehen kann, wann er/sie will. ich gehe. marzahn ist nicht trist und hässlich. armut, vielleicht überforderung. vielleicht hoffnungslosigkeit. ich kann gehen.
in der s-bahn verabschiede ich mich von alten bildern. in den plattenbauten wohnen menschen. großmütter, väter, männer und frauen, kinder, klischees. liebende, hassende, glückliche, traurige, lebende menschen. trotzdem.
in der s-bahn verabschiede ich mich von alten bildern. in den plattenbauten wohnen menschen. großmütter, väter, männer und frauen, kinder, klischees. liebende, hassende, glückliche, traurige, lebende menschen. trotzdem.
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intuitive distanz // day tripper
x zeichnet bilder von y.
y und x haben gespielt. miteinander. durcheinander. manipulativ. manchmal verletzend. zu zweit jeder für sich. jetzt ist ihnen langweilig geworden. mit metaphern spielt man nicht.
sie sind nicht schön, die bilder. sie sind verzerrt und hässlich.
es ist einfach die schönen momente zu vergessen. aber es geht nicht um vergessen,
es geht nur um den abstand. x atmet ein. sie/er wischt mit der hand durch den sand. wie schnell bilder verschwinden können. wie manipulativ die eigenen gedanken sein können.
ausatmen. x ist allein. manchmal lösen sich ketten nicht von selbst und eine balance stellt sich nur her, wenn schwere verloren geht. einatmen. das meer ist aufbrausend. x liebt das. sie/er kann nicht verstehen, was an ruhigem wasser anziehend ist. es gibt ruhe, vielleicht. aber x will keine ruhe mehr. ausatmen.
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picture: deephorizon series via übermorgen.com
leer.lauf
ja, ja, alles super. es läuft alles wie es laufen soll. in geordneten bahnen. wir kriegen das hin, ja, ja ich schaffe das. wir werden nicht daran sterben. tot sind wir trotzdem, nur ein bisschen, in der monotonie, aber sterben werden wir nicht daran. wir jonglieren mit all unseren masken. flexibel. situationsgemäß. welcome to the carnival! bunter wirbel. sinnestäuschung. starrst du den maskenmann an oder er dich? verliere nicht die kontrolle. nein, das tust du nicht. nein, es läuft alles wie es laufen soll. in geordneten bahnen. du jonglierst mit deinen masken. situationsbedingt. das ist ok, ich auch, wir alle tun das.
aber sieh nur, die masken werden zu fleisch. und der maskenmann ist nur einer von uns.
wann hat dich das letzte mal etwas unmittebar berührt? auf diese kindliche weise, weißt du? dieses naive glücksgefühl, die unmittelbare reaktion. unberechenbar, ich weiß.
wir haben die kontrolle oder haben sie längst verloren. lächeln an, lächeln aus. ja danke, alles super. ich denke, gerade, vielleicht bin ich gerade traurig. ich denke. vielleicht. bin ich glücklich? aber wer sich das fragt, kann nicht glücklich sein.
also tu nicht so. du weißt, was passiert, wenn die masken fallen. rohes fleisch ist verletzlich. und es sieht nicht schön aus, weißt du. vielleicht wird es dich abstoßen. willst du das wirklich? also bitte mich nicht sie abzunehmen, die maske. und behalte deine, bitte.ja, ja du hast recht vielleicht können wir uns nur nahe sein, wenn wir sie abnehmen. vielleicht sind wir uns darunter sehr ähnlich. vermutest du. es ist nicht mehr sicher, was darunter ist. und willst du es wirklich wissen? es läuft doch alles wie es laufen soll. und sie sehen doch so schön aus, so unantastbar, die masken.
_________________________________ picture via
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