menschenfresser.liebe.egoismus.

wir ich/du. konsumenten unserer selbst. menschenfresser. verfechter der freiheit. der gegenwart. verloren in der geborgenheit des spiegelkabinetts. 
ich und du haben die freiheit gewählt. die unendlichkeit der möglichkeiten. die möglichkeit zu gehen, zu bleiben, zu nehmen. ich und du wollen alles und nichts. es gibt keine verbindlichkeiten, nur die macht des moments. das unbezwingbare glück. euphoriegetränkte, leichte worte. liebe und egoismus. 

"Adieu", sagte er zur Blume. Aber sie antwortet ihm nicht. "Adieu", wiederholte er.
Die Blume hustete. Aber das kam nicht von der Erkältung.
"Ich bin dumm gewesen", sagte sie endlich zu ihm. "Ich bitte dich um Verzeihung. Versuche, glücklich zu sein." [...] "Aber ja, ich liebe dich", sagte die Blume. "Du hast nichts davon gewusst. Das ist meine Schuld. Es ist ganz unwichtig. Aber du warst ebenso dumm wie ich. Versuche, glücklich zu sein... Laß diese Glasglocke liegen! Ich will sie nicht mehr..."




wenn ich oder du gehen wollen, wird uns niemand aufhalten. in der beschränkung auf den moment und möglichkeit haben wir keine gedanken daran verschwendet, was unsere liebe bedeutet. balanceakt. tänzelnd zwischen freiheit und abhängigkeit. wenn wir fallen: leere. schmerz. und plötzlich begreifen wir, was liebe und egoismus meinten. ich und du haben keine versprechen gemacht. aber wir, die menschenfresser, haben vergessen, dass wir menschlich sind. dass menschlichkeit den potentiellen schmerz -deinen und meinen-  meint.


"Noch bist du für mich nichts als ein Junge, der hundertausend anderen Jungen völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebensowenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hundertausend anderen Füchsen gleicht. Aber, wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt..."
So machte der kleine Prinz den Fuchs mit sich vertraut. Und als die Stunde des Abschieds nahe war:
"Ach!", sagte der Fuchs, "ich werde weinen."
"Das ist deine Schuld", sagte der kleine Prinz, "ich wünsche dir nichts Übles, aber du hast gewollt, dass ich dich zähme."
freiheit. keine irrationale leichtgläubigkeit. nicht fühlen, weil gefühl auch schmerz sein kann. konstruktion. selbstlüge vielleicht.
dornen, die uns nicht vor schmerz schützen.

Der kleine Prinz war ganz blaß vor Zorn. 
"Es sind nun Millionen Jahre, dass die Blumen Dornen hervorbringen. Es sind Millionen Jahre, dass die Schafe trotzdem die Blumen fressen. Und du findest es unwichtig, wenn sie sich so viel Mühe geben, Dornen hervorzubringen, die zu nichts Zweck haben?"

leere worte. selbstinzenierung. wir wollen niemanden zähmen. 
sagen wir. wir lassen uns nicht zähmen. denken wir.

wir wollen nicht gebraucht werden. wir wollen verbrauchen ohne verbraucht zu werden. aber wir wollen niemanden brauchen. wir wollen keine abhängigkeit. aber wer kontrolliert? und wer trägt die verantwortung, und wer trägt dich/mich, wenn der balanceakt scheitert?  

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zitate: der kleine prinz, antoine de saint-exupéry
picures: daniele buetti, (1) via lookinart 

spiegelkabinett. selbstdarstellungsstress.

[x] :  platzhalter, spiegel, anonymität. expression, der trügerische luxus der distanz.
kein vorwurf, keine vorschrift. reflexion, verzerrung, abbild.
gefühl, grenzenlosigkeit. die unberechenbarkeit der definitionlosigkeit.
nicht er, nicht sie.



all die spiegel verwirren x. und als sie oder er dich gefragt hat, wer du bist, x. hast du  ihn oder sie angesehen und auf einen der spiegel gedeutet. im spiegel nicht das abbild, sondern die reflektion des ich ideals. eines ideals, was nur noch aus der gewissheit des unwillen besteht. der ablehnung der person, die du nicht sein willst. deine definition ist eine über das gegenteil: außer-gewöhnlich. un-beschränkt. dein freier wille hat das nichts gewählt, damit keine möglichkeit verfällt. du drehst dich, x, dir wird schwindelig. du zeigst auf einen anderen spiegel. du suchst dich, findest dich, verlierst dich. zwischen den rollen. du wirst dich nicht entscheiden. du lebst für die unendlichkeit des dazwischen. drehst dich und bleibst stehen. unkontrolliert, schnell schnell. dreh dich. zeig mir wer du sein möchtest. jetzt. vielleicht.

es macht keinen sinn, das manifest des selbst, sagt x. das ich ist nicht unverwundbar, nicht statisch. x will weglaufen können. sich drehen und einen neuen spiegel wählen. ein neues selbst skizzieren, um die linien mit einer einzigen bewegung zu verwischen. x dreht sich. weiter, weiter. so schnell, dass nur noch ein schatten, ein schema zu sehen ist. und nicht mehr ist sicher, als der schatten, die drehbewegung, eine langzeitbelichtung, die dokumentation einer bewegung, nicht die bewegung selbst. 

manchmal erzählt x, wer sie oder er glaubt zu sein. einen moment lang, glaubt x die unstetigkeit fassen zu können. x zeichnet details. bis eine hand die frische skizzierten linien verwischt. tausend skizzen. verworfen, verloren. alles was bleibt ist die achse, um die sich x dreht. vielleicht.

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picture: via diane pernet

leichtigkeit



als x zurücksah, sah sie die spuren ihrer schritte. sie waren hastig gesetzt, wie die eines gehetzten tieres. soweit sie sehen konnte war sie nie stehengeblieben. überhaupt, hatte sie -mit gesenktem kopf laufend-  ihre umgebung keines blickes mehr gewürdigt. x sog gierig luft in ihre lungen. erst jetzt merkte sie, dass sie atemlos gewesen war. die helligkeit um sie herum blendete x. sie kniff die augen zusammen. das gefühl eines plötzlichen druckwechels. x wurde schwindelig. plötzlich hatte sie den beklemmenden eindruck, etwas würde sich von ihr lösen. x presste die hände gegen den bauch. das schwindelgefühl nahm zu. x holte tief luft, sie hatte fast vergessen, wie kalt und klar luft sein konnte. die atemzüge der letzten monate, wochen, tage und stunden waren flach und kurz gewesen.


x war kein gläubiger mensch. sie war ein zweiflerin, sie hasste die verlogenheit des konsens einer definition. x hasste die heuchlerische romantisierung von freiheit. freiheit war nicht automatisch glück, und freiheit in einer welt des überflusses und der profilierungssucht eine verlorene definition, eine lüge der könige. wenn andere von liebe, moral, freiheit, harmonie und perfektion sprachen, dann betrachtete sie sie mit dem gleichen, etwas verachtenden, mitleidsvollen, neidischen blick mit dem sie die gottesanbeter/innen versah, vielleicht weil sie in den definitionen nicht mehr als die götter der gegenwart vermutete. nur manchmal beschlich sie das gefühl des zweifels, und nichts hasste und fürchtete sie mehr als das. auf einmal waren die säulen, auf denen sie ihre große philosphie aufgebaut hatte hoffnungslose hommagen an ein verlorenes ich-ideal.


das einzige, woran x glauben konnte war das existente, das augenblicklich gefühlte. 

was x den atem geraubt hatte, war die leichtigkeit. die bedeutunglosigkeit. die abwesenheit des schweren. die augenblickliche klarheit über die schönheit des seins. ein sinn für ästhetik und einfachheit, den sie im endlosen karussell des theoretisierens  fast verloren hatte. in der inszenierung der theorie, in schillernden paralleluniversen hatte sie vergessen, was das jetzt bedeuten konnte. aber hier war sie, die unglaubliche schönheit. die leichtigkeit des seins. und trotz all den flüchtigen geistigen scheinwelten der eigentliche grund zu leben. 

x konnte sich nicht mehr erinnern, wann ihr das letzte mal bewusst gewesen war, wie es sich anfühlte. sie glaubte nicht an die freiheit, nicht an das glück. nicht an die absolute definition. aber x glaubte an den augenblick, in dem sie sich frei fühlte, in dem sie sich glücklich fühlte.

an die abwesenheit der gedanken, die zuließ, dass das absolute gefühl für einen moment ihre gesamte existenz einnahm.

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pictures: (1) by christopher little via, (2) "flock of triangles" by ktinka via, (3) by lina scheynius via

männlichkeit. emanzipation. tarzan.

irgendwo ist sie verloren gegangen. die alte, bärtige, prollige, von schweiß tropfende, widerliche männlichkeit. aber vorher hat sie grenzen definiert, die keine sein müssten
sie hat für die männer definiert, was sie attraktiv macht. die frauen hat niemand gefragt. eigentlich fand ich matthew nie wirklich heiß. eher ein bisschen sehr nebensächlich wie all die schnuckeligen beachboys und revolverhelden. das phänomen "männlichkeit" definiert eine absurde selbstbegrenzung der männer. während frauen baggyhosen und anzüge tragen, wird der mann im kleid mit dem verlust der männlichkeit, und damit zumindest in der einfachen männlichkeits kausalität mit dem verlust der attraktivität und in letzter konsequenz mit sexentzug gestraft. die männliche kleiderordnung lässt keinen hauch vermeintlicher weiblichkeit zu.

 

schon die schreckliche tatsache, dass kosmetik- und pflegeprodukte für männer auf den markt geworfen werden, hat den mythos der verweichlichung konstruiiert. männlichkeit, das ist wild, unbeherrscht und das darf auch stinken. 




während frauen size zero entgegenhungern, wollen männer zu bären oder schnuckelchen werden. männer werden auch in formen, in beschränkende schönheitsideale gepresst, nur hat das noch keiner gemerkt.





it's tarzan and jane. again.

während frauen mit prinzesschen und zartbeseiten, beschützerinstinktweckenden püppchen gleichgesetzt werden, sind männer wilde bären. (oder schnieke, schleimige prinzen. wobei heute die  in der realität ganz schnell den tuntenstempel bekommen würden.)
entgegen dem männer-sind-monster-feminismus hier also ein plädoyer für eine neue männlichkeit.

emanzipiert, ästhethisch, authentisch. 

oder besser ein ende der gendergrenzen. für eine neue menschlichkeit. schluss mit grenzen und attraktivitäts-definitionen die keiner braucht.  





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illustriert ist der post mit schönen männern. innerhalb und außerhalb der männlichkeitsdomäne.
picures: (1) laura dukoff (photographer) via, (2) i-D magazine via, (3) the satorialist via , (4) stil in berlin via, (5) i-D magazine via, (6) lauren dukoff  via, (7) millie cockton (desingner) via dazed and confused magazine
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