eine puppe, eine schaufensterpuppe, also ein objekt, sich zur schau stellend. die puppe ist nackt, und sie ist schön. schön- geschnitten, geformt, zusammengesetzt. bauch beine po. ihre augen sind weit geöffnet, auch diese: schön. ihr mund ist unter einer maske, einem mundschutz, einem tuch verborgen. puppen können nicht sprechen. um ihren kopf schließt sich ein käfig. ein vogelkäfig, das türchen steht offen. puppen können nicht fliegen. der scham der puppe ist bedeckt mit einem gesteckt aus blümchen, darüber ein herz aus haar. wie ein schmuckkästchen. denn puppen haben keine vaginas, keine vulgäre lust, sie haben schmuckkästchen, scham.
der reiz der puppe. zerbrechlich, schön und still. adrett. fordernd nicht mit worten sondern mit einem augenaufschlag. romantisch. hingebungsvoll. flatternde kleidchen im wind. dreh dich puppe dreh dich. wie viele von uns verfallen diesem reiz? doch das puppenspiel ist tükisch. haben wir uns erstmal darin verfangen, lässt es uns nicht mehr los. es wird zu einem verhaltenscodex, mit dem wir glaubten nur spielen zu können. wir glaubten an eine macht des schönen, stillen forderns. wir träumten vonm feminismus des wimpernaufschlags, der schönen augen. wir haben vergessen, das puppen leblos sind, das spiel nur spiel sein kann. unbemerkt haben wir uns selbst gefangen in einer leeren welt des puppenspiels.
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bild: exposition internationale du surrealisme, 1938



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